
Trinidads kleine Schwester mausert sich von der verschlafenen Robinsoninsel zum ausgewachsenen Karibiktraum.
Vom Tourismus bisher wenig berührt, entdecken immer mehr die Vorzüge des kleinen Eilands auf dem heute keiner mehr auf Freitag wartet...
von Manfred ZeitlerNoch vor wenigen Stunden hatten Venezolanos - in klassisch südamerikanischer Manier - gelangweilt in unseren Pässen geblättert. Nun aber stehen wir jener Art von gestrengen Blicken gegenüber, die selbst dem hartgesottensten Traveller diesen besonderen Hauch von Ehrfurcht entlocken.
Die Uniform des Zollbeamten ist überwältigend. Messerscharfe Bügelfalten und mit reichlich Streifen verzierte Schulterklappen lassen nicht den geringsten Zweifel an seiner Autorität. Die berühmten Londoner >>Pelzmützen<< hätten an seinem versteinerten Gesichtsausdruck sicher ihre Freude...!
Welcome to Tobago!
>>Hey - you are looking for a hotel<< ? Die Stimme gehört zu einer dieser rund 250 Pfund schweren Musterexemplare vom Typ >>Big Mama<<, wie man sie nur allzugut aus den Hollywoodschinken über die Sklavenzeit der amerikanischen Südstaaten kennt: der Typ Frau, welcher man ohne Bedenken und guten Gewissens Hab und Gut anvertrauen würde. Leider bekommen wir kaum Gelegenheit über die psychologisch dafür zuständige Ursache nach- zudenken. Hatte sie eben noch unserer zweimotorigen Propellermaschine die Parkpositition angewiesen, legt sie nun eine nicht zu schlagende Geschäftigkeit an den Tag um bei der Suche nach einer passenden Unterkunft behilflich zu sein. But one moment - erst ist noch kurz der Start eines Flugzeugs zu organisieren.
Hektisch schwingt sie ihre gewaltige Oberweite durch eine Luke, welche eigentlich mehr für das Gepäck gedacht wäre. 30 Minuten später sollten wir ein Dach über dem Kopf haben.

Welcome to our nice Island! Great beaches, best weather and very friendly people! That's Tobago my friend!
Der Fahrer der uns zu unserer Unterkunft bringen soll ist schwarz wie die Nacht. Zwischen seinen Beinen klemmt eine Flasche >>Carib<< - T&T's best beer. Dass er auf der falschen Strassenseite fährt führen wir anfangs auf den Alkoholkonsum zurück - bis wir uns den Leitspruch, der bis ans Ende der Reise Gültigkeit haben sollte, ins Gedächtnis rufen: it's british here. Very british...!
Während er mit ungebrochenem Eifer die Vorzüge Tobagos auflistet, versuche ich sein Alter zu schätzen. 35 vielleicht? Nach kurzer Überschlagsrechnung müBte eigentlich sein Ururgrossvater das Ende der Sklaverei auf der Insel miterlebt haben.1815 wurde Tobago England zugesprochen - neunzehn Jahre später die Sklaverei beendet. Sofern seine Vorfahren zu jenen 15 Millionen Menschen gehörten, die man in den drei Jahrhunderten vor 1834 auf die Westindischen Inseln verschleppte, könnte die Rechnung aufgehen. Ich frage mich ob er dann wohl heute noch seine >>Roots<< im fernen Afrika kennt?
Seit ihrer Entdeckung durch Christoph Kulumbus, im Jahre 1498, wechselte Tobago in deren bewegter Geschichte allein 31 mal den Besitzer. Die Engländer schliesslich prägten nach den Spaniern als letzte Kolonialmacht das politische und soziale Gefüge der Insel. Nicht zuletzt versorgten sie die Bevölkerung mit einer durch und durch britischen Weltanschauung. Tobago schlieBt sich 1889 Trinidad an und genieBt seit 1987 die volle innereAutonomie.
In Gedanken stosse ich auf eine Geschichte über >>Kapitän Perry<< aus Liverpool. Jener hatte den Laderaum eines Schiffes für den Sklaventransport berechnet: 182 x 41 cm für einen Mann, 177 x 41 cm für eine Frau und 152 x 36 cm für ein Kind.

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Bericht des Sklaven Equiano, ano 1789
Überfahrt von Afrika: Die Enge des Laderaums und die Hitze - verschlimmert
durch die Überfüllung des Schiffes, die so gross war, dass der einzelne kaum
Platz hatte, um sich umzudrehen - erstickten uns fast. Dies führte zu
übermäBigen Schwitzen, so dass die Luft bald von ekelhaften Gerüchen erfüllt
und zum Atmen ungeeignet war, dadurch entstanden unter den Sklaven
Krankheiten, an denen viele starben. Diese elende Situation wurde verschlimmert
durch das unerträglich werdende Scheuern der Ketten und durch den Schmutz in
den Kübeln, in die die Kinder oft hineinfielen und fast ertranken. Das Schreien
der Frauen und das Stöhnen der Sterbenden machten das Ganze zu einer Szene
von fast unvorstellbaren Schrecken...
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Wir erreichen unser Hotel. Britischer Kolonialstil. Zu Essen gibt es Fish and Chips...
Wie bitte? 10 TT$? Tatsache - 10 TT$ Einrtitt für Tobagos Vorzeigestrand: den fast schon legendären Pigeon Point. Unschlüssig stehen wir vor dem gierig lauernden Rachen des Kontrollhäuschens, wo man am Eingang zum Beach auf unseren Obulus wartet. >>Pst! Hey! Walk on the beach an save your money<<! Verstohlen flüsternd versucht eine ältere Dame uns aus ihrem Souvenierstand heraus auf diese kostenlose Möglichkeit des Strandbesuchs aufmerksam zu machen. Wie zwei nervöse Schwerstverbrecher waten wir durch hüfthohes Wasser am Kontrollpunkt vorbei.
Es funktioniert!
Kurze Zeit später liegt er vor uns: der berühmte Pigeon Point! Irgendwie kommt uns die ganze Szenerie bekannt vor. Postkarten? Wahrscheinlich. Andererseits glaube ich mich zu entsinnen, dieses Bild schon in irgend welchen Magazinen oder Prospekten gesehen zu haben - auch wenn diese mit der Karibik gar nichts am Hut hatten. Steht man allerdings diesem fast schon kitschig schönen Stück Natur erst einmal gegenüber, ist es nicht weiter verwunderlich dass man sich mit dem Konterfei des Pigeon Point auch anderenorts bedient. Schliesslich hat nicht jeder eine derart geballte Ladung anKlischee zu bieten. Wir stapfen unter den wie aus dem Bilderbuch aufgereihten Palmen durch den schneeweissem Sand und erreichen den Bootsanleger.
Ein netter Herr fragt britisch höflich nach unserer Eintrittsmarke. Mit je 10 TT$ sind wir dabei.

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Der Pigeon Point entspricht dem südwestlichen Ende des Buccoo Reefs, einem der bekanntesten Korallenriffe der südlichen Antillen. Das rund 10 000 Jahre alte Riff bildet eine 12 Hektar grosse Lagune mit allem was die karibische Unterwasserwelt zu bieten hat. Für Taucher, Schnorchler oder auch nur >>Glasbodenbootfahrer<< ein selbst für karibische Verhältnisse einmaliges Erlebnis.
Sitzt man im weissen Sand und bewundert die in allen Blau- und Grüntönen leuchtende Lagune, oder staunt vielleicht gerade über das soeben erlebte farbenfrohe Treiben unter Wasser, kommt man nur selten auf den Gedanken einmal darüber nachzudenken, wer oder was dieses Naturschauspiel eigentlich zuwege gebracht hat: Korallen.
Kleinste Tiere, die in den Weltmeeren seit Jahrmillionen nichts anderes zu tun haben, als durch Ablagerung von Kalk Riffe, Lagunen, oder ganze Inseln entstehen zu lassen um damit wiederum Lebensraum für eine reiche Flora und Fauna zu schaffen. Die weltweit in über 700 Arten vorkommenden Korallenpolypen leben zu Millionen in etwa 1 cm breiten Röhren. Sie lassen durch Ausscheidungen und Absterben das Riff entstehen, welches wie eine Art Damm die somit entstandene Lagune vom offenen Meer trennt. Die in der Karibik vorkommenden 65 Korallenarten bilden Saumriffe (im Gegensatz zu Atollen oder Barrierriffen in anderen Regionen), was nichts anderes bedeutet, als dass das Riff in Richtung Meer wächst, um die Küste einen Saum bildet, und somit seinen Namen erhält. Die dafür veranwortlichen Kalkröhren wachsen etwa 1 cm im Jahr. Dies macht deutlich wie lange es dauert, bis die oft riesigen Korallenlandschaften in all ihrer Farbenpracht zu bestaunen sind.
Zerstört ist dieses extrem empfindliche Unterwasserparadies allerdings wesentlich schneller. Dynamitfischerei, Schiffe, Bootsanker, Sporttaucher und,als grösster Brocken, die Verschmutzung der Gewässer tragen zum Absterben der Korallen und damit auch all der vom Riff abhängigen Lebensformen bei.
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Sonntagsschule? >>Allright! You are welcome to visit our Sundayschool to today!<< Aber heute ist Mittwoch! Und überhaupt - Bibelstunden im Urlaub? >>Come on - That's cool! See you at 10:00 pm<<. Er meint sicher >>AM<<! >>PM - allright!?<<
Die Einladung stammt von zwei seltsamen Gestalten die, bei 30
Grad im Schatten, mit einer bunten Wollmütze ihre verfilzten Haare
bedecken um am Beach Souveniers zu verhökern: Rastas.
Transfer interrupted!
Die seltsame
Haartracht und die etwas gewöhnungsbedürftige Lebensweise scheint
nicht nicht so recht in das korrekte Bild der heilen Welt zu passen.
Doch nicht nur hier am Strand, sondern auch in anderen Einrichtungen des >>öffentlichen Lebens<< sind die Rastas relativ ungeliebte Gäste. Randgruppen im Paradies?
Kann nicht sein..!
Spätestens seit Bob Marley sind Reggae und Rastatum auch in Europa kein Fremdwort mehr. Man hört die Musik und kopiert die Haartracht (Dreadlocks) für ausgefallene Modegags. Die Anhänger der Rastafaribewegung nehmen die Sache allerdings ein wenig ernster. Angefangen hatte alles zu Beginn dieses Jahrhunderts auf Jamaica. Ein Prediger namens Garvey wurde mit seiner Botschaft >>Back to Afrika<< für viele Schwarze zum Inbegriff der Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Schwarzen - unterdrückt und diskriminiert - begannen damit sich ihre eigene Religion zu basteln: Gott ist schwarz und das gelobte Land heiBt Äthiopien. Grundlage war das Alte Testament (>>Prinzen werden kommen aus Ägypten, Äthiopien wird bald die Hand nach Gott ausstrecken...<<). Sie setzten sich Frieden und Liebe zum Ziel ihrer Philosophie.
Als Garvey 1916 in die USA emigrierte, liess er die Prophezeihung zurück: >>wenn in Afrika ein schwarzer König gekrönt wird, dann ist die Zeit der Erlösung gekommen<<. 1930 wurde in Äthiopien Ras Tafari Makonnen als Haile Selassie I zum Kaiser gekrönt.
Die Bewegung hatte einen Namen: Rastafariens.
Aus Protest gegen die WeiBen begann man damit, sich Haare und Bärte lang wachsen zu lassen (das Alibi findet sich im 3. Buch Mose: >>Sie sollen sich keine Glatzen scheren auf ihrem Haupt, noch ihren Bart stutzen...<<). Die Farben der äthiopischen Nationalflagge, grün-gold-rot, wurden zum Erkennungszeichen. Entsprechend den Regeln isst man >>Ital Food<< (fleisch- und salzlos), raucht nicht, trinkt nicht, aber fröhnt zu >>Heilzwecken und Vertiefung der Meditation<< dem Marihuana.
Gläubige Rastafariens sind trotz ihres oft >>wilden ÄuBeren<< sanftmütige und meist tiefgeistige Menschen. Im Zuge des zunehmenden Tourismus etablieren sich jedoch immer mehr >>Rastas<<, die unter dem Deckmantel der Religion ihr Outfit ausschliesslich für Geschäftszwecke nutzen. Rastas, die ihr Steak mit >>Carib<< hinunterspülen, haben diesen Namen mit Sicherheit nicht verdient. So wie nicht jeder gläubige Rasta Marihuana raucht oder seine Haare nicht schneidet, hat auch so mancher Pseudodreadlock nicht immer nur >>good vibrationes<< im Sinn. Richtig populär wurde die Rastabewegung in den 60ern, als in den Ghettos der Armen als Zeichen des Aufschreis ein neuer Musikstil entstand: der Reggae. >>Roots Rock Reggae<<, ursprünglich auf meist religiösen Texten basierend, wurde mit zunehmender Beliebtheit sehr schnell ein Opfer der kommerziellen Vermarktung.
Das heutige >>Raggamuffin<< hat als digitalisierter Discothekenrenner mit der eigentlichen Aussage des Reggae nicht mehr viel am Hut. Zugegeben - die >>Vibrations<< sind geblieben, auch wenn man sie heute ersatzweise mittels 1000 Watt Megabass erzeugt... Wer Wert auf guten Roots Rock Reggae legt, dem bleibt der Weg ins karibische Hinterland nicht erspart.
Pünktlich um 22.00 Uhr besuchen wir die Sonntagsschule. Nicht sonderlich überrascht stellen wir fest, daB das was hier abgeht mit Bibelstunden nicht viel gemein hat. Gigantische Party würde der Sache schon näher kommen. Barfuss geht in dem vom Tag noch aufgeheizten Sand bei Rum und Reggae hemmungslos die Post ab. Die über offenem Feuer in Massen gebratenen Hühner sorgen für eine saugfähige Grundlage. Das Rauschen der sich im Abendwind reibenden Palmen vereinigt sich mit dem aus den Boxen unwiderstehlich dröhnenden Rhythmus. Wie ein Sog entführt uns das Ambiente der lauen Nacht in eine karibische Traumwelt, die es darauf anzulegen scheint, selbst die allseits bekannte Bacardiwerbung in den Schatten zu stellen.
Mit echten Rastas hat das hier versammelte Haarprachtkollektiv natürlich nichts zu tun. Aber was spricht dagegen sich deren gern benutztes Motto trotzdem hin und wieder auszuleihen: >>Irie<< (eine Vokabel aus der Rastasprache, die nichts anderes bedeutet als >>gut drauf sein<<)!
Doch nicht nur die Rasta haben ihre eigenen Vokabeln. Auch das >>normale<< Volk bedient sich einer Sprache, die vom geltenden Amtsenglisch deutlich abweicht.
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Eine Sprache die jeder versteht ist die der Musik und des Tanzes: z.B. im Karneval.
Was wäre T&T ohne dieses alljährlich wiederkehrende Spektakel. Anders als im südamerikanischen Brasilien pflegt man hier weniger die Massenhysterie, sondern vielmehr ein fast schon >>geordnetes<< Feuerwerk der Musik und der Farben. Im harten Wettbewerb ist das Ziel der meisten Akteure einer der alljährlich ausgeschriebenen und sehr begehrten Preise. So kämpft man um Prämien für das beste Kostüm, den besten Calypso oder Steelband-Sound. Den Gewinnern winken Geldpreise, Plattenverträge und die Chance häufiger Auftritte in der Öffentlichkeit. Bereits Monate vorher beginnen die einzelnen Gruppen, welche zum Teil bis zu 3000 Teilnehmer zählen, die Arbeit an Kostümen und Choreographie. Die Hauptrolle spielen dabei die >>King- und Queenkostüme<< - bis ins kleinste Detail aufwenig gestaltete Masken die wie überdimensionale Marionetten wirken.
T&T wurde letztlich nicht nur durch den Karneval, sondern in dessen Zusammenhang auch aufgrund einer ganz anderen Art der Unterhaltung berühmt: den Calypso. Der Ursprung dieser Musikrichtung führt in die Sklavenzeit zurück, in welcher die unterdrückten Farbigen versuchten sich die Qualen ihres Daseins durch Tanz und Gesang erträglicher zu gestalten. Der Begriff Calypso entstand aus dem creolischen Wort >>Kaiso<< - in dessen Bedeutung ursprünglich Ulklieder aus Nigeria. Für die Sklaven war der Calypso oft die einzige Möglichkeit ihren Unmut kund zu tun oder sich insgeheim über ihre Herren lustig zu machen. Selbst nach der Sklavenbefreiung diente - und dient - der Calypso vor allem während des Karnevals weiterhin als Mittel des Protestes gegen vorrangig politische Missstände.
Bis heute gibt es zur Karnevalszeit sogenannte >>tents<<: Zelte, in welchen ohne Unterlass freche und kritische Songs zum Besten gegeben werden. Eines der berühmtesten Lieder dürfte wohl jeder kennen:
>>...Rum and Coca Cola
If you ever go down Trinidad,
they make you feel so very glad,
Calypso sing` and make. up rhyme
guarantee you one real good fine time.
Drinking rum and Coca Cola
go down Point Cumana
both mother and daughter
working for the yankee dollar.
If a Yankee comes to Trinidad,
they got the young girls all going mad,
young girls say, they treat them nice
make Trinidad like a Paradise.
Drinking rum and Coca Cola...<<
Wie jeden Sonntag gibt es auch heute am >>Crown Point<< eine Matinee mit Orchestermusik der besonderen Art: Steelbands! Ein grauhaariger alter Mann fragt mit strahlenden Augen ob mir die Musik gefallen würde. Gut - man kenne so etwas aus dem Radio oder Fernsehen; aber der Sound einer achzehnköpfigen Liveband wäre natürlich schon etwas anderes. Es fällt gar nicht so schwer dem alten Mann zu erzählen was er gerne hören möchte. Schon nach kürzester Zeit machen sich meine Beine und Hände selbstständig um dem unwiderstehlichen Rhythmus zu folgen. Diese Band wäre eine der Besten, meint er weiter. SchlieBlich habe er viele der verwendeten Drums höchstpersönlich >>gestimmt<<. Nachdem ich ihn nurverduzt anstarre verrät er mir seinen Beruf: Ölfassstimmer!
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Scarborough - Tobagos Inselhauptstadt - erfreut sich bei den Karibikreisenden nicht sonderlich grosser Beliebtheit. Schliesslich fehle es dem rund 17 000 Einwohnern zählendem Ort an den typischen >>Made in Paradise-Attributen<<.
Wir machen die Probe aufs Exempel und kommen um die Feststellung nicht herum, dass in Scarborough schlicht und ergreifend karibischer Alltag herrscht. Man ist unter sich. Jeder geht seinen Geschäften nach und lässt Tourismus Tourismus sein. Um die vom Besucher geforderten Schnörkel kümmern sich auf der Insel schliesslich schon andere. Und das nicht zu wenig.
Seit jedoch, nach Fertigstellung des neuen Tiefseehafens, Ozeanriesen der Marke >>Kreuzfahrtschiff<< quasi vor der Türe parken, hat sich zumindest an manchen Tagen vieles verändert. Wenn die >>weisse Elite<< von Bord geht bleibt sowieso keiner in Scarborough - es sei den er versorgt sich im Supermarkt mit billigem Schnaps. So hat man sich an den >>Tagen<< darauf spezialisiert, mit einer unüberschaubaren Armada von Taxis, die Leute mit viel Geld aber wenig Zeit an Tobagos obligatorische Plätze zu verfrachten. Tobago in two hours? No Problem! Noch scheiden sich die Inselgeister bezüglich des >>ex und hopp-Tourismus<<. Die Mehrzahl ist allerdings der Meinung, daB Tobago die Einnahmen mehr als gut gebrauchen könne.
Unser >>Kreuzfahrterlebnis<< gestaltet sich hingegen ganz anders. Nach zwanzig Minuten schweiBtreibenden Aufstieg erreichen wir >>Fort King George<<, wo sich der atemberaubende Ausblick über die Stadt, Teile der Insel und das Karibische Meer nicht lumpen läBt. Von hier oben wirken die im Schatten der riesigen Schiffe winzig erscheinenden Häuser fast schon grotesk...
Tobago bildet zusammen mit Trinidad eine unabhängige Republik mit einer Fläche von 5130 qkm. Neben Öl und Gas zählen die Landwirtschaft (Zucker, Kaffee, Kakao) und der Tourismus zu den Haupteinahmequellen des Karibikstaates. In Urzeiten vom südamerikanischen Kontinent abgebrochen, weisen beide Inseln für karibische Verhälnisse eine einmalig vielfältige Flora und Fauna auf. Vor allem die Vogelwelt profitiert von der Nähe zum Festland.
Zur Einreise genügt ein gültiger Reisepass sowie ein (zwingendes!) Rück- oder Weiterflugticket. Das in den Pass gestempelte Visum ist indentisch mit dem Rückflugdatum. Aufenthaltsverlängerungen bis zu drei Monaten sind möglich.
Direktverbindungen von Deutschland nur via Trinidad (ab DM1350,- mit BWIA, BRITISH AIRWAYS, KLM etc.) AnschluBflug nach Tobago mit BWIA oder LIAT. Diverse innerkaribische Verbindungen zu den Nachbarstaaten (z.B. Margarita/Venezuela - Tobago hin und zurück als 7-Tageticket US$ 160, 14 Tage US$175 mit Venezuelas AEREOTUY)
Trinidad&Tobago Dollar (TT$). Emfehlenswert sind US$ Reisecheques sowie eine gängige Kreditkarte. Man sollte sich stets vergewissern dass sich die vorort genannten Preise auf TT$ und nicht auf US$ beziehen!
Verkehrssprache ist Englisch. Daneben Kreolisch.
>>Trockenzeit<<, und damit auch günstiges Reisewetter, von November bis Mai (von Mitte Dezember bis Mitte April, an den Preisen deutlich spürbar, allerdings auch gleichzeitig Hauptsaison). Temperatur im Mittel um 28 Grad Celsius, Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 100%.
Die Mehrzahl der Unterkünfte befinden sich in unmittelbarer Nähe des Flughafens >>Crown Point<<. Vom Guesthouse (ab 25 US$) bis zum Mittelklassehotel (ab 60 US$) ist alles geboten. Wer hohe Hotel- und Restaurantkosten scheut, dem sei James Holiday Resort ans Herz gelegt. GroBe gepflegte Zimmer, riesige Küche, Balkon oder Terrasse (ab 40 US$). Auto- und Mopedverleih. Die Strandhotels am Pigeon Point haben neben der Lage und zu hohen Preisen wenig zu bieten. Wer auf Meerblick verzichten kann ist am Crownpoint besser aufgehoben. Der Pigeon Point liegt sowieso um die Ecke.
Wer den Luxus sucht wohnt im Grafton Beach Hotel - kurz vor Black Rock Tobagos bestes Hotel (ab 190 US$). Ein paar Schritte weiter nördlich lebt es sich im Turtle Beach Hotel nicht ganz so komfortabel, ist aber mit 130 US$ immer noch gut dabei. Für Stadtmenschen zeigt sich in Tobagos >>Metropole<< Scarborough relativ günstig. Mit Ausnahme des Palm Tree Village (Villen bis 240 US$) beschränkt sich das Angebot auf Hotels der unteren Mittelklasse bzw. Guesthouses zu moderaten Preisen. Hat man genügend Lesestoff im Gepäck, oder kann sich anderweitig gut beschäftigen, finden sich rund um die Insel kleinere Unterkünfte weit ab vom sprichwörtlichen >>Schuss<<.
Bedingt durch die vielen Völker, die alle ihre spezielle Küche mitimportierten, reicht das Angebot von kreolisch über spanisch bis chinesisch. In Touristenrestaurants sind die Gaumenfreuden a la >>fish and chips<< sehr westlich ausgerichtet und nicht gerade billig. Die Kosten für ein Hauptgericht liegen in guten Restaurants bei 30 bis 100 TT$. In einheimischen Lokalen liegen die Preise mit 5 bis 20 TT$ deutlich niedriger. Immer eine gute Wahl ist >>Rooti<<, indische Teigfladen die mit Curry aus Gemüse, Kartoffeln, Fleisch oder Huhn gefüllt, für 4 bis 7 TT$ fast überall zu haben sind. Fehlt zum Essen nur noch das Nationalgetränk: >>Carib<< - T&T's Bier (ab 3,50 TT$). Das schmackhafte (und in WeiBglasflaschen abgefüllt etwas seltsam anmutende) Getränk, ist wohl einer der Wirtschaftszweige die wirklich boomen. Softdrinks gibt es in den gefährlichsten Farben und sind mit Preisen ab 1,50 TT$ durchaus erschwinglich. Für einen Liter Wasser zahlt man hingegen rund 8 TT$. Preisbeispiele für Selbstversorger aus dem Supermarkt: 500 gr. Brot ab 2,50 TT$, 250 gr. Käse ab 4 TT$, 1 l Milch ab 4,80 TT$, 500 gr. Nudeln ab 4,40 TT$, Eiscreme ab 2 TT$, 250 gr. Butter ab 4,50 TT$, 500 gr. Hackfleisch ab 9 TT$.
Busse verkehren vom Busterminal Scarborough u.a. zum Crownpoint (Airport), Roxborough, Black Rock und Charlotteville. Die Fahrpreise liegen zwischen 1, 50 TT$ und 4 TT$. Sammeltaxis fahren für 4 bis 8 TT$ von Scarborough in alle Ecken Tobagos. Mietwagen je nach Klasse ab 140 TT$/Tag. Ein deutscher Führerschein wird anerkannt. Taxis sind nicht billig. Die Fahrpreise sind am Flughafen angeschrieben (z.B. Crownpoint - Scarborough 25 TT$).
Auch wenn Marihuana für die Rastas als Philosophie gilt - Touristen sollten tunlichst die Finger davon lassen. Drogen werden vielerorts angeboten und ziehen beim Erwerb Strafen nach sich, die von der Ausweisung über Geldbussen bis hin zu Gefängnis reichen. Die Polizei ist in solchen Fällen alles andere als zimperlich.
Tauchen ist wohl eine der lukrativsten Tätigkeiten auf Tobago. Die besten Tauchgründe findet man nördlich des Pigeon Point, südlich von Belmont und rund um Little Tobago. Segeln, Surfen und Tennis beschränkt sich meist auf das Angebot der Hotels. Auch diverse Clubs bieten ihre nicht ganz billigen Dienste an. Hochseefischen wird - für den ders mag - von einigen wenigen Veranstaltern am Crown- und Pigeon Point angeboten. Grossartige Erlebnistouren mit dem Schnorchel, oder über Wasser per Pedes, gibts zu besten Konditionen rund um die ganze Insel: Nulltarif! Eine >>Busrundreise<< mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist eine der wohl orginellsten und zudem preiswertesten Möglichkeiten Land und Leute schnörkellos kennen zu lernen.
Trinidad & Tobago Hotel and Tourism Assosiation 44-58 Edward St., Port of Spain, Trinidad
Reise know-how Trinidad und Tobago, Verlag Peter Rump
Apa Guide Trinidad & Tobago, VR Verlag
Anmerkung: Erfahrungsgemäss unterliegen die Nebenkosten starken Schwankungen (US$-Kurs, hohe Inflationsraten etc.). Die angegebenen Preise verstehen sich deshalb als ungefähre Richtwerte.
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