Samana:
Rinder, Strände
und die Bacardi-Insel
Ein Ausflug auf die östliche Halbinsel der Dominikanischen Republik
Von
Cabarete nach Las Terrenas und Santa Barbara de Samana
Das Land um Cabarete ist eigentlich Bauernland, bestimmt für die Viehaufzucht.
Um 6.30 Uhr fahren wir endlich mit einer halben Stunde Verspätung los und haben
schon bald unseren ersten, allerdings unfreiwilligen Zwischenstopp. Eine große
Viehherde zieht unbeeindruckt von dem Autoverkehr über die Straße. Die
menschlichen Begleiter sitzen hoch zu Ross, echte Cowboys im wahrsten Sinn des
Wortes. Vor Beginn des Massentourismus war das hier wahrscheinlich ein
alltäglicher Anblick.
An der Grenze zur Halbinsel Samana legen wir einen diesmal freiwilligen Stopp
ein. Auf der gegenüberliegenden Seite vom Wasser sehen wir hinüber auf den
Nationalpark Los Haitises - und unmittelbar vor uns erstreckt sich ein riesiger
Hain von Kokosnusspalmen.
An unserem Haltepunkt befindet sich eine einfache Palmenhütte, von der aus die
hier ansässige Familie - 18 Kinder soll sie haben, hat uns unser Guide Johnny
erzählt - Kokosnüsse verkauft. 10 Pesos kostet das Stück - doch das Angebot
dürfte an dieser Stelle die Nachfrage weit übersteigen.
Wir fahren nun durch die Palmenhaine von Samana, legen einen weiteren Fotostopp
ein und steuern schließlich unser erstes Etappenziel Las Terrenas an.
Vor einiger Zeit dürfte Las Terrenas noch ein richtiges Bauerndorf gewesen
sein. Zwischen den Palmen suhlen sich Schweine, es gibt Esel und Mulis - und
natürlich jede Menge Rinder. Doch heute, sagt Johnny, leben in Las Terrenas
mehr Ausländer, vor allem Franzosen, Kanadier und Österreicher, als
Einheimische.
Der Grund ist klar: der Strand. Die Palmen wachsen bis unmittelbar ans Wasser,
die Strände sind nicht sonderlich breit, aber noch weitgehend unberührt,
bestehen aus sauberem weißen Sand. Und das Wasser in der Bucht ist so ruhig,
dass ich hier erstmals einen Schnorchelgang unternehmen kann.
Das Problem beim Schnorcheln ist allerdings: An diesem Palmenstrand von Las
Terrenas geht es extrem seicht ins Wasser - und schon nach wenigen Metern
beginnt das Seegras zu sprießen. In diesem Seegras, wie auch in den Nischen und
Einbuchtungen der Korallenbänke, leben Hunderte von roten Seeigeln. Mitunter
habe ich nur wenige Zentimeter Wasser unter mir. Für einen Schwimmer wäre es
hier ein gewagtes Unterfangen, zu Fuß in tieferes Gewässer gelangen zu wollen
.
Nach der Mittagspause an einem anderen Strand bleiben wir noch eine Stunde am
Wasser, fahren dann über eine Schotterpiste durch die Berge nach St. Barbara de
Samana
.
Schon als wir die Halbinsel erreicht hatten, erzählte Johnny, dass hier viele
Dörfer kein Wasser haben, das Wasser dann aus entfernten Flüssen geholt werden
müsse. Die Dörfer an diesem Teil der Wegstrecke machen aber einen noch weit
ärmlicheren Eindruck. Die Hütten sind aus Holz, ohne Anstrich, oder aber aus
Palmenwedeln. Steinhäuser sind hier die absolute Ausnahme.
Am frühen Abend erreichen wir St. Barbara de Samana, eine moderne Stadt mit
großzügigen Straßen, viel Grün. und alles außerordentlich sauber
.
Unser Hotel liegt auf einem Berg am Rand der Bucht von Samana - und wir haben
Blick auf den Hafen, wo große Yachten vor Anker liegen. Von der Hafeneinfahrt
aus zieht sich eine Brücke zu zwei vorgelagerten Inseln.
Unser Hotel - drei Sterne - steht zur Zeit allerdings fast leer: Bei der
abendlichen Disco gibt es jedenfalls mehr einheimische Musiker und Animateure
als Gäste, die dafür dann mit um so größeren Nachdruck zum Merenge-Tanz
aufgefordert werden.
Auf der "Bacardi-Insel" - Cayo
Levantado
Gegen 9.30 Uhr machen wir uns wieder mit dem Bus auf den Weg. Wir verlassen St.
Barbara, kommen noch einmal am Hafen vorbei, wo jetzt die Whale-Watching-Boote
arbeitslos an der Mole liegen und die Samana-typischen Guaguas - Mofas mit
einem Anhänger, in dem bis zu sieben Fahrgäste Platz finden sollen - vergeblich
auf Passagiere warten.
20 Minuten brauchen wir bis zu der Bootsanlegestelle, von wo aus uns ein
Außenborder zur Cayo Levantado bringt.
Die aus Korallengestein bestehende Insel gilt als “Bacardi-Insel” - weil die
allerdings nie ausgestrahlte Urfassung des Bacardi-Spots gedreht wurde.. Vor
allem aber ist die Cayo Levantado ein Ausflugsziel für Touristen mit Bootshafen
und Palmenstränden, die jedoch alles andere als einsam sind. Tatsächlich
befinden sich am Hauptpunkt der Insel diverse Restaurants, Verkaufsstände - und
auch an den anderen Stränden vergehen keine zehn Minuten, in denen man nicht
von einem Getränke- oder Souvenirverkäufer angesprochen wird.
Einer dieser Souvenirverkäufer will uns eine Kette aus angeblichen
Süßwasserperlen verkaufen. 1300 Pesos sei der Preis für Amerikaner, aber als
Deutsche bräuchten wir nur 800 Pesos zu bezahlen. Dann geht er auf 400 Pesos
herunter, und weil wir ihm zeigen, dass wir nur 100 Pesos dabei haben, begnügt
er sich schließlich jedoch mit denen. Ein anderer Souvenirverkäufer, er bietet
aus Palmenwedeln oder grünem Bast geflochtene Sonnenhüte an, will nun sogar
tauschen: Meine Schwimmflossen gegen einen Hut. Darauf lassen wir uns aber nicht
ein.
Denn schließlich will ich ja noch schnorcheln: Mein Ziel ist ein winziges
Eiland, das vielleicht 70 oder 80 Meter vor unserem Strand liegt. Das Wasser
bis dorthin ist extrem flach, nur selten findet sich eine Mulde aus reinem
Sandboden, in der ein Erwachsener aber immer noch stehen kann. Ansonsten gilt
auch hier wie vor Las Terrenas: Hochgewachsenes Seegras, in dem sich die
Seeigel verstecken, dazu vor allem rötlich schimmernde Korallen, an einigen
Stellen auch blaue, noch jung und wohl im Wachstum. Ihre Stränge - oder Arme -
vollziehen jede Bewegung des Wassers nach.
Neben den Seeigeln gibt es aber auch jede Menge Fische, einige von der Größe
zweier Hände, andere, in Schwärmen auftretend, von der Größe eines abgeknipsten
Fingernagels.
Kurz vor unserem Aufbruch vom Strand beobachten wir einen Fischreiher, der mit
seinen ausgebreiteten Flügeln regelrecht ins Wasser schießt.
Der Fußweg, der zurück zum “Hauptplatz” und zur Bootsanlegestelle führt, geht
durch dichtes Grün, das den Eindruck eines “gepflegten Dschungels” erweckt -
jedoch von etlichen Bungalows durchbrochen wird.
Auf dem Rückweg nach Cabarete machen wir in den Bergen von Samana noch einmal
Station an einer Flussquelle, bei der das Wasser direkt aus dem Fels springt -
und das von den Einheimischen in einem Becken aufgefangen wird. Dieses Becken
ist nun ein öffentliches Bad, wo der Eintritt 10 Pesos kostet.
Die Wassertemperatur in dem Becken misst wohl 20 Grad - die mir beim ersten
Eintauchen aber unheimlich kalt vorkommen. Auf der gegenüberliegenden Seite des
Beckens fließt das Wasser wieder in seinen natürlichen Flusslauf ab.
Nach diesem erholsamen Bad brechen wir auf und sind gegen 18 Uhr in Cabarete.
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