Der Autor segelt seit über zehn Jahren in tropischen
Gewässern und organisiert regelmässig Törns, für
die er noch teamfähige Mitsegler sucht. Auskunft wieser007@freesurf.ch
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Törnberichte
Terence, dunkelhäutig, Ray-Ban-Sonnenbrille und Haarschnitt Stil "Sun & Fun" empfängt uns in Marsh Harbour auf der Basis von Sunsail mit einem fröhlichen Lachen. Marschiert er oder tanzt er? Terence führt die Crew zum Katamaran "Imagine", einer Kennex 445. Der erste Drink steht bereits auf dem Salontisch. Stress ist auf Abaco ein Fremdwort.
Beim Grossisten des Kleinstädchens kaufen wir für den Törn ein. Unsere Reise wird uns für drei Wochen in die rund 100 Seemeilen südlich von Marsh Harbour beginnenden Exumas führen. Wir werfen die Leinen los und segeln gleichentags die paar Meilen nach Elbow Cay. Das malerische Städtchen Hope Town auf Elbow Cay wurde 1785 gegründet und ist eine pittoreske Loyalistensiedlung. Die Loyalisten hielten während der amerikanischen Revolution zur Krone und ihre hellhäutigen Nachfahren dominieren noch immer auf einigen kleineren Inseln der Bahamas. Ein 1863 erbauter rot-weiss gestreifter Bilderbuchleuchtturm dominiert den Naturhafen. Als der British Imperial Lighthouse Service diesen errichtete, sollen einige Einwohner versucht haben, den Bau zu sabotieren. Er gefährdete ihre wirtschaftliche Existenz als Strandräuber und Wrackplünderer! Der Leuchtturm ist noch immer in Betrieb und die Einrichtungen aus den Dreissigerjahren dieses Jahrhunderts sind tadellos unterhalten. Der Leuchtturmwärter freut sich über zahlende Besucher. Nach 101 Stufen geniessen wir die Aussicht über den Hafen und die umliegenden Untiefen. Die Einfahrt nach Hope Town ist bei Niedrigwasser lediglich fünf Fuss tief. Unser Kat mit einem Tiefgang von 1.20 Meter schleicht sich da gerade noch herein.
Nach einigen Tagen hat sich das Bordleben eingespielt. Wir legen den einzigen grösseren Schlag von rund 90 Seemeilen über das offene Meer zurück. Abends ankern wir vor dem Current Cut in Eleuthera. Im Cut, einem Einschnitt in eine schmale Halbinsel, strömt die Tide mit grosser Kraft hindurch. Mit dem Dinghy erkunden wir die flussartige Durchfahrt. Unser GFK-Dinghy mit zwei Personen benötigt die volle Kraft des 10PS-Aussenborders. Am nächsten Morgen peilen wir die Durchfahrt eine halbe Stunde vor Hochwasser an. Die Strömung ist immer noch so stark, dass bei voller Kraft voraus ein Bahamian am Ufer mitspazieren kann. Vermutlich sind die Tidentabellen vom 100 Seemeilen entfernten Abaco hier bereits nicht mehr gültig.
Unsere ersten Versuche im Fischen sind von Erfolg gekrönt: kleine Barracudas, mehrere Yellowtail Snapper und ein Bar Jack haben angebissen. Irgendwann übersteigt auch die Länge der Barracudas den ersehnten Meter. Mit dem Kartendreieck werden alle Fische genauestens vermessen und von zwei Zeugen im Logbuch festgehalten. In der Vergangenheit hatten die Fische nämlich die fatale Tendenz, bei jeder erneuten Erzählung des Anglerglücks an Länge zuzunehmen..... Wir halten uns an die Faustregel, Barracudas nur zu essen, wenn sie nicht länger als eine Armlänge sind. Mit jedem neuen Fang wird ein neues Fischrezept ausprobiert und es wird langsam selbstverständlich, selbstgefangene Fische zu filetieren.
Nach ein paar Tagen sind wir am Ziel unserer Träume angekommen: Die Exumas. Eine ununterbrochene Kette von Inseln, Riffen und Sandbänken, die rund 100 Seemeilen in Nord-Süd-Richtung verläuft. Die meisten davon sind unbewohnt. Ein Teil der Exumas steht zudem unter Naturschutz. Im Westen davon erstreckt sich die Exuma Bank. Trotz Riffen und Sandbänken sind weite Teile der Bank mehrere Meter tief und somit befahrbar. Im Osten befindet sich der tiefe und offene Exuma Sound, der nur noch durch Cat Island vom offenen Atlantik getrennt ist. Hunderte von Ankerplätzen und ein paar Häfen laden zum Verweilen in den Exumas ein. Die Pläne im Cruising Guide sind mit Ausnahme der ständig wandernden Sandbänke genau.
Die Sandbänke sind das Revier der Conchs. Diese rosafarbenen Muscheln bewohnen zu tausenden die Untiefen. Die Weibchen zeichnen sich durch vertikale, die Männchen durch horizontale Rillen aus. Die Grösse der Tiere hat nichts mit dem Alter zu tun, nur die Lippe der Muschel wird mit dem Alter etwas dicker. Wir bewundern das UnterwasserdŽfilŽe der Muscheln, die sich erstaunlicherweise alle in die gleiche Richtung bewegen. Wohin? Wieso? Die Geschwindigkeit dieser Meeresschnecken verhindert, das Geheimnis zu lüften. Es ist ein ganz besonderer Genuss, sich von der Gezeitenströmung über die Sandbänke tragen zu lassen und dabei ohne jegliche Anstrengungen die Unterwasserwelt zu entdecken. Wegen der starken Strömung bleibt das Dinghy bei all diesen Ausflügen in der Nähe. Ausserhalb des Nationalparks stehen die Muscheln auf unserem Menüplan. Ein kurzer Schlag mit dem spitzen Maurerhammer gegen die Spitze und ein Schnitt durch den Muskel genügen, um die Tiere aus der Schale zu lösen. Nur mit Technik, nicht aber mit roher Gewalt gelangt man bei diesen harten Muscheln zum Ziel. Die Innereien werden weggeschnitten, bis nur noch weisses Muskelfleisch übrig bleibt. Es passt hervorragend roh zum Salat oder während längerer Zeit auf kleinem Feuer gekocht zu einer pikanten Sauce mit etwas Reis. Die Bahamesen behaupten, Conch stärke die Manneskraft. Angesichts der zahlreichen fröhlichen Kinder auf den Inseln sind wir beinahe geneigt, diese Legende zu glauben.
In Allan's Cay Harbour, einem geschützten Ankerplatz zwischen einigen Inseln, befindet sich das Reich der Leguane. Diese Art gibt es nur auf den Bahamas. Die zutraulichen Tiere scheinen direkt aus "Jurassic Park" entsprungen zu sein. Wir bleiben einen Moment still am Strand stehen. Der erste neugierige Leguan kommt näher. Ein zweiter nähert sich und dann stehen plötzlich ein paar Dutzend dieser seltsamen Kreaturen in sämtlichen Grössen und Schattierungen um uns herum.
Die Unterwasserwelt der Bahamas ist schlichtweg phantastisch: Pflanzen, harte und weiche Korallen in grosser Vielfalt, Lobster, Mantas in allen Grössen, riesige Barracudas, Conchs, ein paar wenige Haie und unzählige farbenprächtige Fische. Wir bestaunen Lobster von einer Grösse, die wir nicht für möglich hielten. Jedem Gourmet muss das Wasser im Mund zusammenlaufen. Es ist wohl kein Zufall, dass wir die grössten Exemplare innerhalb der Grenzen des Nationalparks entdecken..... Eine Familie von riesigen schwarzen Mantas mit weissen Punkten kreist um uns herum. Sie scheinen unter Wasser zu fliegen. Was für eine Eleganz! Mit langsamen, majestätischen Flügelschlägen kommen sie näher und näher. Wer hat da gesagt, der Schwanz dieser Riesen sei für uns kleine Menschen gefährlich? Die Spannung steigt, doch der Augenblick ist irgendwie irreal. Plötzlich erfasst uns eine starke Strömung. Jeder Widerstand ist zwecklos. In diesem Moment sind wir froh, unser Beiboot mit einer erfahrenen Fahrerin neben uns zu wissen. Der Lärm des Aussenborders, der uns oft genervt hat, wird zur Musik in unseren Ohren. Sich von der Strömung treiben zu lassen, wird zur ungetrübten Freude. Wir respektieren bei unseren Unterwasserstreifzügen die Natur und versuchen, keine Korallen und Lebewesen zu berühren. Einmal gelingt es nicht ganz und es ist jetzt auch allen klar, wie die Feuerkoralle zu ihrem Namen gekommen ist.
Thunderball Cave, die Grotte, in der ein gleichnamiger James Bond gedreht wurde, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Die Höhle ist durch einen schmalen Einschnitt im Felsen von der Wasseroberfläche her zugänglich. Die kleine Felseninsel ist durchlöchert wie ein Emmentalerkäse. Von der Decke fällt ein surrealistisches Licht ins Wasser. Tausende von neugierigen Fischen schwimmen durch die Grotte. Auf der anderen Seite führt ein Unterwassertunnel mutige Schnorchler wieder zurück in Meer.
Die Unterwasserwelt der Bahamas hat nicht nur uns beeindruckt: Beim Einkaufen im Dorfladen von Rock Sound auf Eleuthera treffen wir Commandant Cousteau und wechseln einige Worte mit ihm. Die Jahre sind auch an dieser Legende unserer Jugendzeit nicht spurlos vorbeigegangen. Werden wir selbst mit über 80 Jahren noch Ferien auf den Bahamas machen oder nur im Altersheim sitzen?
Die Bewohner dieser dünn besiedelten Out-Islands sind ausnahmslos freundlich und Fremden gegenüber aufgeschlossen. Von unseren früheren Besuchen wisssen wir, dass es auf den Bahamas im Gegensatz zu der übrigen Karibik für das Beiboot keine Kette mit Schloss braucht. Wir machen Bekanntschaften voller Charme: beim Spinnen von Seemansgarn mit dem Polizisten, beim Billard spielen und Bier trinken, beim Fischessen an Bord, beim Schnorcheln und beim Autostop. Wer der Strasse entlangmarschiert, wird automatisch mitgenommen!
Die Ferien neigen sich langsam dem Ende zu. Der Notvorrat an Kokosnussrum ist eingekauft. Während wir in der Abendsonne dem Ausgangshafen entgegensegeln, hängen wie gewohnt zwei Leinen im Wasser. Die Wäscheklammer mit dem Silch ist von der Reling weggesprungen, da ein Fisch angebissen hat. Langsam ziehen wir die Leine rein, hops, ein Schluck Alkohol zwischen die scharfen Zähne und mit ein paar Zuckungen ist auch dieser Barracuda ohne grosses Blutbad tot, sozusagen von Innen mariniert. In drei Wochen ist es beinahe natürlich geworden, mit und aus dem Meer zu leben. Bald müssen wir uns wieder an tiefgekühlten rechteckigen panierten Fisch in der Vakuumverpackung gewöhnen. Während ein Teil der Crew die Fischchips zubereitet, die so hervorragend zum Sundowner passen, versinkt die Sonne glühendrot im Meer.
Karten und Literatur Wir verwendeten den "Yachtman's Guide to the Bahamas" (in englischer Sprache) für die Törnvorbereitung. Er wird jährlich aufdatiert und beschreibt auf mehr als 400 Seiten die ganzen Bahamas. Die Pläne sind hervorragend, enthalten aber nur wenige GPS-Waypoints. Die Karten sind auch vergrössert erhältlich und eine hervorragende Navigationshilfe. Ansonsten genügen ein paar wenige Übersegler. Die Pläne des Cruising Guides sind den Detailkarten bei weitem vorzuziehen.
Navigation Die Navigation erfolgt weitgehend auf Sicht. Nachtfahrten sind wegen der fehlenden Befeuerung praktisch ausgeschlossen. Die Tiefen sind nicht ganz einfach von Auge zu erkennen. Das Seegras täuscht mit dunkler Farbe tiefes Wasser vor, wo gar keines ist. Wo das Gras aufhört und der Grund in Sand übergeht, glaubt man seichtes Wasser zu erkennen. Beim Näherfahren gerät man auf die vermeintliche Sandbank und muss erkennen, dass sich die Tiefe überhaupt nicht verändert. Es ist faszinierend! Mit etwas Vorsicht kann nicht allzuviel passieren und nach kurzem entwickeln sich das Auge und der Sinn für diese Phänomene. Ein Auflaufen ist meist gefahrlos, da der Boden oft aus Sand besteht. Der Tidenhub von drei bis vier Fuss mag vergleichsweise gering erscheinen. Doch für dieses seichte Revier ist er entscheidend und kann bei einigen kritischen Passagen sogar unabdingbar sein. Solche Durchfahrten nahmen wir daher immer mit steigendem Wasser und ein paar Stunden vor Hochwasser in Angriff. Da die Wassertiefe nur an wenigen Stellen fünf Meter überschreitet, ist praktisch das ganze Revier ein riesiger Ankerplatz. Falls der Zeitplan aus dem Lot gerät, kann man problemlos den Anker werfen und eine günstige Tide abwarten. Die Tiden verursachen natürlich Strömungen. Zwischen den engen Inselchen und bei einigen Ankerplätzen sind sie erheblich. Die Strömung übertrifft an Stärke den Wind; auf sie gilt es daher noch vor der Windrichtung Rücksicht zu nehmen. Teilweise ist es unumgänglich, zwei Anker zu setzen, da der Raum für das Drehen nicht ausreicht. An den meisten anderen Orten sind die Auswirkungen gering und ein Anker mit genügend Kette reicht problemlos aus. Das Ausbringen von zwei Ankern wird nicht umsonst "Bahamian anchoring" genannt. Das Lehrbuch schlägt folgende Methode vor: Zuerst den Luvanker setzen, sich zurücktreiben lassen, den Leeanker setzen (Winkel gegen 90 Grad) und dann beide Anker so dichtholen, dass man fest zwischen den Ankern sitzt. Wir haben allerdings den Zweitanker mit dem Dinghy ausgebracht und damit beste Erfahrungen gemacht. Die Spaghetti mit den Ankertrossen sind allerdings auf einem Kat etwas umfangreicher als auf einem Einrumpfboot, da immer ein Hahnenpott (zwei Leinen, die den Anker V-förmig zwischen den Rümpfen halten) verwendet wird. Auch für das Aufholen des Zweitankers empfiehlt es sich, das Dinghy zu verwenden. Die Trosse des Zweitankers wird ins Dinghy gegeben, der Hauptanker aufgeholt und vom Ankerspill genommen. Der Zweitanker kann nun problemlos mit der freien Ankerwinsch aufgeholt werden. Eine eingespielte Crew erledigt das Manöver in wenigen Minuten. Der Ankergrund ist oft mit Gras bewachsen und der Anker hält erst richtig, wenn er sich ein wenig eingegraben hat. Mit etwas Rückwärtsfahrt lässt sich über die Wanten die Position peilen. Ein plötzliches Eintauchen der Ankerkette signalisiert zusätzlich das Ausreissen des Ankers. Wer ganz sicher sein möchte, kann mit der Taucherbrille das Eingraben des Ankers kontrollieren. Wassertemperatur, Sicht und Tiefe laden gerade dazu ein. Der Hahnenpott bei Katamaranen wird am besten mit einem Schnappschäkel an der Ankerkette befestigt. Diese Beschläge sind unglaublich stark und verbiegen sich im Gegensatz zu normalen Schäkeln auch unter Last nicht. Im Nationalpark sind Moorings (Bojen) zum Festmachen ausgelegt.
Geographie Die Bahamas liegen rund 50 Seemeilen vor der Küste Floridas. Dazwischen liegt die Zentralheizung Westeuropas, der Golfstrom. Wenn der Wind gegen den Strom steht, kann die Überfahrt ganz schön ruppig werden. Der Inselstaat erstreckt sich von 20¡56'N bis 27¡25'N und von 71¡00'W bis 79¡20'W, einem Gebiet von mehreren Hunderttausend Quadratkilometern. Die Landfläche beträgt lediglich einen Bruchteil davon (11'405 km2). Andros (3'524 km2), Great und Little Abaco (2'313 km2) sowie Grand Bahama (1'542 km2) sind die wichtigsten der rund 700 Inseln und über 2 000 Cays (kleine und kleinste Korallenbänke und Felsen). Es handelt sich um die Spitze eines Unterwassergebirges zwischen Florida, Kuba und Hispaniola. Die Inseln sind meist flach und von Korallenriffen sowie Sandbänken umgeben. Teilweise schwierig zu befahrende Passagen führen zu geschützten Naturhäfen und -buchten. Rund 250 000 Menschen bevölkern die Inseln, davon leben 160 000 in der Hauptstadt Nassau und weitere 50 000 in Freeport. Die Out-Islands sind nur dünn bevölkert und vom Massentourismus unberührt. In der Nebensaison hat man die meisten Ankerplätze für sich allein.
Geschichte Die Bahamas sind historisch von grossem Interesse für den Seefahrer. Christoph Kolumbus machte in diesem Inselgewirr 1492 seinen ersten Landfall in der neuen Welt. Das Kolumbusjahr 1992 hat die Debatte über den exakten Ort der Landung wieder neu belebt (San Salvador und Samana Cay werden am häufigsten zitiert, was aber noch lange kein Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptungen ist. Kolumbus stiess auf friedliche Ureinwohner (Lucayans), die bald mit wenigen Ausnahmen durch die Spanier zur Zwangsarbeit nach Hispaniola deportiert wurden. Der Rest starb aus. Mehrheitlich britische Piraten und Bukaniere entdeckten das Inselgewirr als Schlupfwinkel für ihre Raubzüge gegen die Handelsschiffahrt. Die begehrtesten Beuten stellten die goldbeladenen spanischen Galeonen auf ihrer Rückfahrt von den spanischen Kolonien in Mittelamerika nach dem Mutterland dar. Diese pflegten durch die Floridastrasse oder die Windward Passage zwischen Kuba und Haiti zu segeln, ein Katzensprung von den Bahamas entfernt. Der englische König Georg I. erliess 1718 eine Generalamnestie für alle Piraten und machte deren Anführer sogar zum Offizier der Royal Navy. Dafür erhielt er die Kolonie New Providence, wo sich heute die Hauptstadt Nassau befindet. Die britischen Gouverneure räumten zwar mit der Piratenplage auf, doch die Plünderung gestrandeter Schiffe blieb ein lukratives Geschäft auf zahlreichen isolierten Inselchen. Lokale Transportboote und Inselchen tragen die Namen berühmter Freibeuter und ab und zu wird ein Goldschatz geborgen. Aus Westafrika wurden Zehntausende von Negernsklaven eingeführt und machten die Inseln zum Hauptumschlagsplatz für diesen Exportschlager. Die Sklaverei wurde erst 1834 aufgehoben und rund 10 000 ehemalige Sklaven kamen frei. Mit dem Ende des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges flohen zahlreiche britische Loyalisten vom Festland auf die Bahamas. Sie bilden bis heute einen grösseren Prozentsatz der Bevölkerung (in Abaco und den vorgelagerten Inselchen rund die Hälfte). Der amerikanische Bürgerkrieg brachte den Bahamas die erste wirtschaftliche Prosperität. Konföderierte Blockadenbrecher nützten die Inseln als Ausgangsbasis. Das Ende des Krieges liess die Inseln in einen Dornröschenschlaf verfallen, der erst mit der Einführung der Prohibition in den USA endete. Zwei Weltkriege katapultierten die Inseln ins 20. Jahrhundert und führten am 10. Juli 1973 zur Unabhängigkeit von der Kolonialmacht England. Die Nachfahren der Loyalisten auf Abaco hätten es zwar vorgezogen, Briten zu bleiben und appellierten vergeblich an die Queen. Königin Elisabeth II. ist immerhin Staatsoberhaupt geblieben und wird durch einen (einheimischen) Generalgouverneur vertreten. Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs ist der Tourismus offiziell die grösste Einnahmequelle. Bis vor wenigen Jahren bildeten die Bahamas ein wichtige Drehscheibe für Drogen auf dem Weg in die USA. Die U.S. Coast Guard führte einen regelrechten Kleinkrieg gegen die Schmuggler, denen Verbindungen in die höchsten Regierungskreise nachgesagt wurden. Seit einem Regierungswechsel ist es jedoch recht still um diese Gerüchte geworden. Die Küstenwache in Florida überwacht Sportboote schon lange vor der Ankunft in den USA und nimmt Bootsdurchsuchungen grundsätzlich mit schussbereiter Waffe und schusssicherer Weste vor. Heute ist die US-Küstenwache zusammen mit Bahamesen auch in den Bahamas präsent. Wir wurden während des Törns mehrmals von Hubschraubern überflogen.
Wetter und Klima Ausgeprägte Jahreszeiten kennen die Bahamas nicht. Die Hauptsaison liegt im Winter mit einer Spitze an Weihnachten und an Ostern. Die Nebensaison ist im August, September und Oktober. Daneben gibt es noch eine Zwischensaison. Die Preise für die Nebensaison sind noch knapp halb so hoch wie während den Spitzenzeiten. Ab Ende Mai treten vermehrt schauerartige Regenfälle auf, doch mit 340 Sonnentagen pro Jahr wird kaum jemand zu kurz kommen. In den grauen Wolkenfetzen stecken sehr oft kräftige Böen (englisch "squall") drin. Während unseres dreiwöchigen Törns während der Regenzeit wurden wir lediglich einmal von einem "squall" erwischt. Innerhalb von Minuten erreichte der Wind 30 Knoten und mehr und es regnete so stark, dass der Steuermann die Taucherbrille anzog. Diese "squalls" sind derart gut sichtbar, dass sie auch für den Revierneuling keine Gefahr darstellen. Während der Regenzeit erblühen die über den Winter ausgedorrten Inseln in frischem Grün. Allfällige Bewölkung wird als angenehm empfunden, da selbst die Sonne zuviel scheinen kann. Die Höchsttemperaturen betragen 32¡C im Sommer und 23¡C im Winter und sind gut erträglich. Entlang der Küste und auf dem Wasser ist es angenehm. Der Wind lässt die starke Sonne oft vergessen, die schwere Verbrennungen verursachen kann. Dank dem warmen Golfstrom und der intensiven Sonneneinstrahlung lädt die Wassertemperatur zum Schnorcheln ein. Eindrückliche Gewitter mit einem wahren Feuerwerk an Blitzen entladen sich vor allem nachts über den grossen Inseln. Die vorgelagerten Inseln sind aber davon nicht betroffen. Die Bahamas liegen noch im Gürtel der Passatwinde (engl. "tradewinds"), werden aber auch vom Wettergeschehen in den USA beeinflusst. Der Passat weht das ganze Jahr über, ist aber nach Statistik im Winter besonders stark und regelmässig. Es ist im Winter mit drei bis vier, im Sommer mit zwei bis drei Windstärken aus dem östlichen Quadranten zu rechnen. Allerdings ist auch spiegelglattes Meer möglich (vor allem während der Nacht). Während der Windstille in der Nacht machten sich hungrige Moskitos bemerkbar, obwohl wir die Ankerplätze weit draussen und wo möglich abseits von Mangroven gewählt hatten. Die Nebensaison hat zwei gewichtige Vorteile: günstigere Preise und noch weniger Leute. Der einzige Nachteil sind die Hurricanes. Wer aber die Wetterentwicklung etwas verfolgt, wird nicht davon überrascht. Die Zeit ist ausreichend, um die Crew in einem Betonbau und das Boot in einem (bedingt) sicheren Platz unterzubringen. In den Bahamas ist vor allem "Andrew" in lebhafter Erinnerung. Er verwüstete Eleuthera im August 1992 und richtete in Südflorida Milliardenschäden an. Ab Mitte August bis Ende Oktober ist mit Hurrikans zu rechnen, ausnahmsweise auch ausserhalb dieser "hurrican season". Die Schlupflöcher sind zahlreich und dank der wenigen Boote, die sich bis zu den Out-Island verirren, auch nicht überfüllt. Die Gefahr ist zwar gegenwärtig, darf aber nicht übertrieben werden: Hunderte von Yachten befinden sich das ganze Jahr über in diesem Gebiet.
Boote In den Subtropen zählt der Raum unter Deck weniger als anderswo. Das Leben und oft sogar das Schlafen finden unter freiem Himmel statt. Kein anderer Bootstyp bietet eine so grosse Decksfläche wie ein Kat. Ein Zweirumpfboot schleppt keinen grossen Kiel mit durchs Wasser und weist demzufolge nur einen geringen Tiefgang auf. Teilweise können Orte angelaufen werden, die einem Monohull wegen des grösseren Tiefganges versperrt bleiben. Punkto Speed geniessen Mehrrumpfboote einen hervorragenden Ruf. Wir sollten uns bewusst sein, dass Mietboote keine Racer, sondern biedere Cruiser sind. Bei der Höhe am Wind müssen je nach Typ zum Teil erhebliche Abstriche gemacht werden. Ein Kat segelt ohne Krängung; eine Tatsache, die besonders für den Anfänger angenehm ist. Dank den zwei Motoren lässt sich ein Kat beinahe an Ort drehen; in engen Häfen mit uneingespielten Crews ein grosser Vorteil. Unsere Kennex 445 erfüllte sämtliche Anforderungen. Sie bietet mit vier Doppelkabinen und zwei Nasszellen genügend Platz für eine achtköpfige Crew. Die Ausrüstung ist komplett und der Service der "Sunsail"-Crew sowohl vor Ort als auch in der Schweiz hervorragend. Das feste Zwölffuss-GFK-Dinghy ist mit einem 10 PS-Aussenborder ausgerüstet und dient auch dazu, das Inselgewirr und die Mangrovenarme an seichten Orten zu entdecken.
Charter Das Angebot von Sunsail umfasst Monohulls von 29 bis 44 Fuss (BŽnŽteau) sowie zwei Katamarane (Kennex 380 und 445). Moorings verfügt neben der Lagoon 42 über eine Lagoon 37 sowie Einrumpfboote zwischen 31 und 40 Fuss. Den Kunden von Moorings steht lediglich Abaco als Revier offen. Eine frühe Reservation ist bei mehrwöchigen Törns selbst in der Nebensaison unumgänglich, da von den meisten Modellen nur ein einziges Boot vorhanden ist. Der grösste Teil der Kunden sind Amerikaner, die lediglich 14 Tage Ferien pro Jahr beziehen. Dies beeinflusst die durchschnittliche Charterdauer, die in den Bahamas lediglich neun Tage beträgt. Die Lücken im Belegungsplan der Boote sind daher oft zu kurz für Europäer, die längere Ferien bevorzugen.
Flugverbindungen Für Miami bestehen zahlreiche und günstige Flugverbindungen (auch Charterflüge). Treasure Cay auf Abaco wird von diversen kleinen Fluggesellschaften mehrmals täglich angeflogen (Retourflug rund $ 170.-- pro Person). Auf dem Hinflug von Europa wird eine Übernachtung in Miami in den meisten Fällen unumgänglich sein. Für den Rückflug sollte man noch $ 15.-- Bargeld pro Person für die Departure Tax bereithalten.
Währung Offizielle Währung ist der Bahamas-Dollar. Er wird mit dem US-Dollar 1:1 gewechselt. Da der amerikanische längst den britischen Einfluss abgelöst hat, werden U.S. Dollars überall angenommen. Kreditkarten werden meistens akzeptiert, Banken und Hotels wechseln Travellerchecks unter Spesenabzug. Mit einem Cash-Vorrat an U.S. $ in möglichst kleinen Noten ist man gut bedient, denn Retourgeld erfolgt oft in der einheimischen Währung. Kreditkarten befreien beim Automieten vom Hinterlegen einer Kaution. Mit einer Hälfte Traveller Checks (Thomas Cook und American Express) und einer Hälfte Cash ist man nicht allzuschlecht beraten.
Formalitäten Ein Visum ist nicht erforderlich und da die Bahamas für einen Ferientörn mehr als ausreichen, fallen auch das zeitraubende und oft unangenehme Ein- und Ausklarieren weg.
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